Es ist noch vor 05:00 als mein Wecker die friedliche Atmosphäre der auslaufenden Nacht stört. Schnell springe ich aus dem Bett damit die Kinder nicht wach werden. Stress! Schnell ins Wohnzimmer, Rechner anstellen, Fenster schließen, Heizung aufdrehen und  Kaffeemaschine anschalten. Immer dabei – der Blick zur Uhr. Was für ein Stress! Jetzt aber schnell ins Bad. Zähne putzen, duschen, anziehen – der Blick zur Uhr. Ich muss mich beeilen. Stress! Im Vorbeigehen den Kaffee eingeschenkt, TV angeschaltet um die Nachrichten zu sehen und parallel meine Emails abgerufen, die ich wegen der Zeitverschiebung nachts, aus Panama und der Dominikanischen Republik erhalte. Die Wichtigsten werden schnell kommentiert und beantwortet. Ach ja, mein Kaffee ist ja auch noch heiß! Schnell zwischendurch zuerst daran genippt, dann hintergekippt. Der Blick zur Uhr. Schnell raus, der Bus kommt ja gleich.  Was für ein Stress! Rechner aus, die Butterbrote aus dem Kühlschrank gerissen und weg. Eigentlich könnte ich mir noch eine Banane mitnehmen. Also noch einmal schnell zurück zur Küche und in die Obstschale gegriffen, der Blick zur Uhr. Ist das heute irgendwie wieder stressig! Meine Butterbrote und die Banane im Rucksack verstaut, die dicke Jacke übergeworfen und raus! Ich jage die Treppe herunter und schaue dabei auf die Uhr, greife die Klinke der Haustür – abgeschlossen. Wo ist denn gleich noch mal der Schlüssel? Der Erste passt nicht, dafür aber der Zweite. Gleich kommt der Bus! Ich muss die Beine in die Hand nehmen! Mein Gott, was für ein Stress!

 

Den Bus habe ich noch mitbekommen, da muss ich doch gleich noch einmal zur Uhr schauen. Der Sekundenzeiger rast. Die U-Bahn darf auf keinem Fall ohne mich abfahren, da ich ja auch noch in die S-Bahn umsteigen muss um zur Arbeit zu kommen. Gut, dass sich Uhren beim draufschauen nicht abnutzen! Stress pur!

 

Nach einiger Zeit schaffe ich es auch endlich an den Platz zu gelangen, der mir mein tägliches Brot gibt – der Schreibtisch an dem ich meinen Chef reich mache. Mich der Jacke noch nicht entledigt  klingelt auch schon das Telefon. Die Stimme eines Kunden quakt mir ins Ohr. War nichts besonderes, nur ganz schnell soll es gehen. Was macht er denn schon so früh am Morgen für Stress? Der Rechner wird hochgefahren und das Email-Programm gestartet. Fünfzehn Emails in Abwesenheit. Zum Glück arbeite ich noch nicht in der Nacht! Zehn Mails davon  sind mit „SEHR WICHTIG“ gekennzeichnet. Ich glaube, der heutige Tag artet in Stress aus. Arbeitsbeginn! Das Fax rattert, das Postfach meiner Mails quillt über, das Handy wechselt sich mit dem Festnetzanschluss ab, oder beiden kämpfen gleichzeitig gegeneinander um Gehör. Stressig, stressig…

Mist! Fast hätte ich die Monatsauswertung für die Oberste Heeresleitung vergessen. Statistiken fahren, auswerten, sich selbst verwalten. Situationsbedingter Stress. Zwischendurch, nach dem Blick zur Uhr, etwas essen, und viel Kaffee … zur Beruhigung. Es geht weiter. Liefertermine nachjagen, Telefonieren, schreiben, sich Zeit für einen persönlichen Kundenbesuch nehmen, kalkulieren…die Kasse klingelt…nur nicht für mich! Aber dafür darf ich den Stress meines Chefs abnehmen!

Beim Blick aus dem Bürofenster sehe ich nichts mehr…nur Dunkelheit. Ist es denn schon wieder so weit? Dank des Stresses ging der Tag schnell vorbei. Eigentlich bin ich noch längst nicht fertig. Der Blick auf die Uhr verrät mir, dass meine S-Bahn in einigen Minuten eintrifft. Stress!

 

Ich eile zum Bahnhof. Der Zeiger der Bahnhofsuhr rutscht einen Minutenstrich weiter, der Zug fährt ein und ich habe es auch gerade so geschafft. Ich habe heute Glück.

Im Abteil sitzen Leute, reichen die Bild-Zeitung herum und geben beim nachmittäglichen Biergenuss  kleingeistige Kommentare. Mein privates Handy vibriert. Der Blick auf  das Display sagt mir, dass es meine Frau ist. Ich soll bloß nicht vergessen, die Dinge einzukaufen, die sie mir gestern Abend während des Fernsehens benannte. Was war es noch mal? Fällt mir noch ein.  Ich erreiche dieses Mal meine U-Bahn, sodass ich schnell im Supermarkt meinen Einkauf tätigen kann. Blicke auf die Uhr. Die langen Einkaufszeiten in den Supermärkten kommen den gestresste Leuten zu Gute! Schnell alles zusammenramschen, bezahlen, noch mal auf die Uhr schauen, ob der Bus gleich kommt, und raus. Schnellen Schrittes marschiere ich zur Bushaltestelle und sehe nur noch die roten  Rücklichter. Es bleibt mir nichts anderes übrig als zügig nach Hause zu laufen. Und das mit dem schweren Einkauf auf drei Beutel verteilt! Ich versuche einen Blick auf meine Uhr zu erhaschen. Die  Kinder gehen gleich ins Bett, möchte aber noch etwas von ihnen haben, an ihrem Leben teilhaben. Also noch einen Zahn zugelegt. Das grenzt ja schon an Stress.

 

Zu Hause werde ich schon hüpfend mit Geschrei von meinen Zwergen begrüßt. Sie wollen mit mir spielen, werde mich aber erst einmal von diesem stressigen Tag ausruhen müssen!   Ruhe kommt auf. Die Jungs reisen gerade ins Land der Träume. Doch nicht mehr spielen. Ich gehe mein Post durch. Diverse Rechnungen. Die müssen auch noch bezahlt werden. Heute!  

Also, Rechner an und ab in die Onlinebank.

Konzentrier dich! Jetzt keinen Fehler machen. Ist das stressig! Während ich mich zu konzentrieren versuche, schalte ich den Fernseher an. Das Thema: Herzinfarkt. Ich schalte wieder aus. Den Rest des Abends verbrachte ich am Rechner, da ich einer  Freundin zusagte bis morgen noch ein Dokument ins Spanische zu übersetzen. Beide Zeiger der Uhr zeigen nach oben. Jetzt muss ich schlafen. Unbedingt schnell einschlafen! Gleich ist die Nacht wieder zu Ende. Mein Gott, jetzt mach ich mir sogar schon beim Einschlafen Stress…

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