Schon als kleines Kind habe ich es geliebt auf dem alten, dunklen und mysteriösen Dachboden meiner Großmutter herumzukramen – und ich kann nicht abstreiten, dass ich jedes Mal die Hoffnung hegte dort einen Schatz zu finden. Schätze wie sie in den alten Abenteuerromanen beschrieben wurden.

 

Kaum, dass ich einigermaßen lesen konnte, verging kein Abend an dem ich mich nicht mit einem Buch und einer Taschenlampe unter die Bettdecke verkroch. Mein Hunger auf Abenteuerlektüre war unstillbar. Welch erhabenes Gefühl musste es sein, wenn man etwas hinterher jagte und dies  zum guten Schluss auch noch in eigenen Händen hielt. Meine infantilen Phantasien standen Kopf. Faszination – ein anderes Wort kannte ich dafür nicht.

 

Ich wurde älter aber einen Schatz fand ich nie! Bis zu meiner frühen Jugend, als ich anfing  über  Schliemann und Carter zu lesen. Ab da an änderte sich einiges. So kam ich nach und nach zur Archäologie und suchte im Auftrag eines Museums, natürlich unter fachmännischer Leitung, nach Schätzen. Vieles habe ich der Erde entrissen; ganze Grabstätten mit ihren Skelette, Gefäße, Werkzeuge, Waffen und vieles mehr. Doch dies alles erfüllte mich nicht. Mit der Zeit wurde es zu langweilig im Sommer die Äcker durchzuwühlen und im Winter das Gefundene zu Katalogisieren. Da draußen in der weiten Welt musste es noch mehr geben! Schätze suchen und dabei noch Abenteuer erleben. Fast so wie Indiana Jones. So vergingen die Jahre meiner Jugend.

 

Bundeswehrzeit. Als einer der Ersten für den NATO-Einsatz in Ex-Jugoslawien meldete ich mich freiwillig. Abenteuer garantiert! Schätze? Man würde sehen… Damals war das Mandat noch nicht durch, dass die Bundeswehr überhaupt an solchen Aktionen teilnehmen durfte. Aber das war mir zu diesem Zeitpunkt egal…mich zog das Abenteuer in die Ferne. Und nur die Wahrscheinlichkeit dorthin zu kommen lockte mich. Dann war es endlich soweit. Historisch interessiert zog ich den Werdegang des Krieges jener Region in mich auf und versuchte so viele persönliche Kontakte wie nur möglich mit der einheimischen Bevölkerung  zu knüpfen. Na ja, wer die Geschichte kannte wusste, dass man als Deutscher einfacher mit Kroaten als mit Serben ins Gespräch kam. Eigentlich schade. Auch während meines Aufenthaltes in Kroatien und Bosnien Herzegowina hielt ich ständig meine Augen nach eventuellen Schätzen auf. Aber diese wurden schon ohne mich zwischen Anderen als Beute aufgeteilt.

Mein Schatz den ich von dort mitbrachte war ein gutes Gehalt, viele Informationen und ein Stück Lebenserfahrung.

 

In meiner Bundeswehrzeit verfeinerte ich meine spanische Sprache. Dazu hatte ich gute Möglichkeiten, da viele Soldaten der US-Army, mit denen ich zusammen arbeitete, Latinos waren. Teilweise verachtet von ihren weißen Kameraden lebten sie untereinander ihre Kultur. Und ich mittendrin. Irgendwann las ich über Piraterie in Mittelamerika und der Karibik. Ein fesselndes Thema! Mittlerweile bereiste ich alle paar Monate die Dominikanische Republik, wo das Haus meiner Eltern stand und ich regelmäßig meine heutige Gattin besuchte. Doch was fiel mir dort auf? Viele Frauen trugen als Schmuck silberne Dublonen – alte spanische Münzen, eventuell von der Silberflotte! Sind hier Schätze zu holen? Nachdem ich die Bundeswehrzeit beendete ließ ich mich dann in Santiago in der Dominikanischen Republik nieder. Dies wurde zu meiner zweiten Heimat. Aber noch immer die Augen geöffnet…es könnte ja ein Schatz auf mich warten. Wie viele alte Wracks lagen wohl vor der Küste Hispañolas? Keiner vermag es zu sagen. So lebte ich einige Zeit dort. Bis es mir wieder zu eintönig wurde. Verborgende Schätze fand ich nicht. Dann ging es wieder nach Deutschland. Von der Insel nahm ich als Schatz meine Frau und noch ein weiteres Stück Lebenserfahrung mit.

 

Ich begann verschieden Länder zu bereisen, Frankreich, Spanien, Panama und viele, viele  mehr. Irgendwo musste es doch noch einen Schatz geben! Nie fand ich ihn.

 

Nun befinde ich mich wieder in Deutschland, grübele viel über mein Leben nach und habe letzt endlich nach einer sehr langen Suche meinen Schatz gefunden. Ich hatte wirklich noch das Glück ihn ausfindig zu machen. Es war kein Gold – keine Diamanten.

Der Schatz heißt Wissen.

 

Wissen um die Kulturen, die man kennenlernen durfte.

Wissen um gesammelte Erfahrungen schätzen zu können.

Wissen um den Wert von Speisen und Wasser.

Wissen um ideelle Dinge, die man nun höher einstuft als materielle.

Wissen um Prioritäten die man jetzt anders setzt als zuvor.

 

Wissen dass das höchste Gut und der wertvollste Schatz das Leben ist, und dass man dieses einzigartige Leben nur durch Gesundheit erhalten kann.       

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