Heinrich mag es wenn er sich mit seinem Elektrorasierer, made in Südostasien, über seinen Schädel fährt. So steht er mit einem Feinrippunterhemd, Unterhose und Socken, die von indischen Kindern in einer Hinterhoffirma gefertigt wurden, vor dem Spiegel. Seinen rechten Oberarm ziert ein, kunstvoll mit chinesischer Tinte gestochener, Wodan – auch weiter nördlich als Odin bekannt. So germanisch sollte man als Deutscher schon sein, dass man etwas nordische Mythologie, auch wenn man noch nie das Buch der Edda in den Händen hielt, in oder an sich trägt. Dabei gibt es dieses Werk doch in fast jeder Buchhandlung – gedruckt in der Tschechischen Republik. Fertig rasiert. Heinrich streicht sich zufrieden über seinen Kopf. Dann schlüpft er in seine Jeans, die in einer mittelamerikanischen Freihandelszone von hübschen Händen attraktiver Latinas im Akkord gefertigt wurde. Jetzt noch schnell ein Hemd, Bomberjacke und 14-Loch Rangerboots aus der letzten englischen Modekollektion übergezogen und schon kann es auch losgehen. Er muss sich etwas beeilen um pünktlich auf Arbeit zu erscheinen. So sind sie, die Deutschen; pünktlich und arbeitsam! Hoffentlich springt der japanische Kleinwagen an. Er hat ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Glück gehabt! Jetzt kann es los gehen. Eine CD wird eingelegt. Zu hämmernden Rhythmen werden Hetzparolen gegen andere Nationen gekotzt. Das ist seine Welt! Des deutschen Heinrichs Welt! Da ist ja auch schon die Firma. In der Einfahrt grüßt er Herrn Müller, seinen Chef – den Geschäftsführer. Ob Heinrich weiß, dass Her Müller nur angestellter Geschäftsführer ist und der Inhaber des Unternehmens Abdullah Yildiz heißt? 

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