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Sonntag, es ist Vormittag. Die Sonne hat noch nicht ganz den Zenit erreicht, doch sie sticht! Kein Luftzug. Nicht der Hauch einer leichten Briese. Grillen musizieren um die Wette, Hähne kämpfen um die Kompetenz des lautesten Schreies. Hunde streunen, immer auf der Suche nach Fressbarem. Die Bierflasche kreist von Hand zu Hand und jeder gießt sich immer wieder einen Schluck nach. Hier kennt jeder jeden oder war gar Familie…und wenn es nur ganz weit Entfernte war. Die Frauen bleiben zu Hause und gehen ihrer Arbeit, dem Mittagessenkochen nach. So sitzen wir in der Runde und tauschen uns allerlei Neuigkeiten aus. Was gab es Neues in der Stadt, was im Dorf. Die kleine Gemeinde Palmar Grande versteckt sich nahe der Nordküste. So klein, dass man sie kaum in einer Landkarte verzeichnet findet, gibt es hier doch immer neuen Gesprächstoff. Wer ist mir wem zusammen, wo erwartet man Nachwuchs oder wer ist kürzlich verstorben. Information als Tauschmaterial und jeder weiß es besser. Je Näher der Mittag rückt, umso intensiver sind die Gerüche aus den einzelnen Küchen. Hier wird noch bei offenen Feuer und Holz gekocht. Dies und natürlich die frischen Zutaten aus dem Garten sowie den hauseigenen Ställen und Verschläge verleiht dem Essen einen ganz besonderen Geschmack! Was für ein Leben! Da fragte ich mich oft, warum es kaum noch junge Leute hier gibt. Die meisten versuchen ihr Glück als ungelernte Hilfskräfte in der Großstadt um wenigen Pesos hinterzujagen, die sie für die Grundnahrungsmittel ausgeben, die ihnen hier die Natur von Hause aus zu Füßen legt. Das Meiste wird selbst angebaut. Was man nicht im Programm hat, kann mit dem Nachbarn eingetauscht werden. Für volle Bäuche und abwechselungsreiche Nahrung ist hier gesorgt. Doch die Jugend träumt von mehr, einem „reichen“ Leben in der Stadt und dies führt dazu, dass man den Blick für das Schöne und dem Wesentlichen verliert. Ein sorgenfreies Leben ohne viel Stress hat keinen Preis!

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