Gerade die Deutschen sind ein Volk, das mit Recht in einem Atemzug mit Perfektionismus genannt wird. Da reicht es nicht nur, dass der erste Eindruck überzeugt. Nein – jede Sache wird genausten unter die Lupe genommen, analysiert und dann für gut oder schlecht befunden. Damit man dem auch entgegentreten kann, wird jeder Arbeitsprozess penibel vorgeplant und sich einen Plan A, B, C und D zurechtgelegt. Es könnte ja etwas dazwischenkommen.

Ja, ja – dieser Konjunktiv..!  Gehört zu dieser Kultur wie zur Kaffeezeit die Sahne auf der Torte. Würde etwas nicht klappen, könnte man ja zu Plan X übergehen. Und weil der Deutsche so organisiert, pünktlich und diszipliniert ist, bekommt er im Endeffekt auch alles hin.

Nun lebe ich in der Karibik und dort ist es ja ganz anders. Ein bisschen Spucke und es klebt! Perfektion, Ordnung und Organisation? Fehlanzeige!

Scheiß drauf, wenn man beim Malern über Kannten streicht.
Kabelkanäle? Ein Knoten in die Kabel tut es doch auch.Zweispurige Hauptstrasse? Lasst und mal noch eine dritte und vierte Spur öffnen!
Vorfahrt? Mein Wagen ist größer und meine Hupe eh lauter!
Strafe zahlen? Dem Bullen was in die Hand legen ist billiger.
Führerschein? Ging bis jetzt auch ohne.
Pünktlichkeit? Lass uns doch keinen Stress machen!
Planung? Wozu? Kommt doch eh anders. Man wird sehen.

Zuviel Nachdenken führt zur Erkenntnis und so habe ich mich gefragt, wie ich mit meinen deutschausgerichteten Genen hier überhaupt Leben kann. Ein Land voller Chaos und Unregemäßigkeiten. Doch dann näherte ich mich der Antwort: Perfektion lässt keinen Spielraum für Freiheit!

Jetzt kann jeder für sich entscheiden, wo er seine Prioritäten im Leben setzt. In die Monotonie der Perfektion oder in das Abenteuer der Freiheit.

Meinen Platz glaube ich gefunden zu haben. Wenn es nicht so sein sollte, hätte ich ja noch einen Plan B.

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