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Angefangen hat es vor einigen Monaten, als ein junger Mann in der Galerie auftauchte und mir etwas über soziale Gerechtigkeit und Politik erzählte. Als ob jemand hinter ihm her war, konnte er nicht schnell genug seinen Sicht über das ungerechte politische Gleichgewicht in der Dominikanischen Republik loswerden. Wie sich herausstellte gehörte er einer überparteilichen Gruppe an, die Aktivitäten für junge Leute der Arbeiterklasse organisierte. Dann kam er auf den Punkt. Meine sozialkritischen Gemälde haben sein Interesse geweckt und fragte, ob ich der Gruppe helfen konnte ein Mauergemälde mit politisch-historischem Hintergrund zu fertigen.  Es sollte etwas zum Thema „Dominikanische Revolution – April 1965“ werden.

Eine Woche später fanden wir uns wieder in der Galerie zusammen, um näheres zu besprechen. Ich legte 3 Entwürfe in Form von Skizzen vor und es wurde eine in meinem typischen Minimalismus-Stil von Caamaño , dem Oberst und Präsidenten, gewählt. Es soll das erste von weiteren Muralen an einer öffentlichen Schule werden, die sich mit der dominikanischen Geschichte beschäftigen sollen.
Dann kamen wir auf das Thema Bezahlung, da ich schliesslich vier Ärsche am kacken halten muss. Und wir wollten doch nicht, dass ich während ich malte einen gewaltätigen Hungertod zum Opfer fiele. Bargeld habe man nicht, wurde mir feierlich verkündet. cheiss Antwort! Von irgendetwas muss man leben. Hier kann man schliesslich nicht zu einem Sozialamt rennen, wenn es mit der Auftragslage schlecht bestellt ist. So einigten wir uns auf folgendes; man stellte die Materialien und zahlte in Naturalien. Bier während der Arbeit und Gemüse für einen Monat. Das war ein Deal!

Monate lang hörte ich nichts mehr. Habe das Gemälde auch schon aus meinem kreativen Leben verdrängt, als ich doch in meinem Postfach eine Email fand. „Wir können loslegen, am Freitag.“ Ich schaute auf den Kalender. Übermorgen! Negativ! Mein Kalender war voll. Aber die Woche darauf. Was ich nicht wusste, die Struktur der Organisation hatte sich geändert und ein Neuer wurde mit der Mauer beauftragt. Also wurde wieder alles neu abgesprochen und dann losgelegt. Man wünschte jetzt allerdings nur noch den schwarzen Kopf auf weissem Grund. Um den Kopf herum sollte Platz für die Schriftzüge über die Personeninformation bleiben.

Der Tag und das Malen selbst war ein schönes Erlebnis. Ich wurde abgeholt und wir fuhren gemeinsam zu der besagten Schule in einem Armenviertel von Santiago.  Dort stellte man mir Materialien und Bier vor die Nase und ich schwang den Pinsel. Viele Leute kamen vorbei und schauten mir über die Schulter. Dabei wurde viel über Politik und Gesellschaft diskutiert.

(Auf dem unteren Foto ist ein Teil der Bezahlung zu sehen)

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